Die Blockchain Diskussion

Historische Kunst entsteht über die jeweilige Zeit und Gesellschaft, also stets in der Gegenwart.  Neue Technologien öffnen heute neue Möglichkeiten künstlerischen Potenzials. Aktuell reagiert die durch neue Technologien beeinflusste Kunstproduktion sehr stark auf den Wandel der Zeit. Es entstehen Kunstwerke, die auf die Digitalisierung reagieren, auch dann wenn sie nicht zwangsläufig das digitale Format widerspiegeln.

Formal rein digitale Kunst ist ephemer und basiert auf eine vergängliche Technik. Die ständige Weiterentwicklung der Technik erfordert permanente Verbesserungen. 

Auch wenn digitale Kunst teils noch in Kinderschuhen steckt und unausgewertet floriert, das Publikum begegnet ihr mit Neugierde.

Umdenken ist gefragt
Die global technischen Netzwerke bewirken dabei neue Atmosphären bzw. Infosphären, wie sie Medientheoretiker Peter Weibel nennt. In der Kunstwelt zwingen sie bisherige kunstgeschichtliche Betrachtungen zu einer Neubewertung. Herkömmliche Theorien und Praxen müssen infrage gestellt werden. Neue Kunstformen im Bereich des immateriellen Digitalen erfordern ein generelles Umdenken hinsichtlich der Bewahrung, Präsentation und den Erwerb von Kunst. Und auch die Rezeption von digitaler Kunst ist eine andere.

Wird sich der Kunstmarkt deswegen ändern? Laut Hiscox Studie herrscht im realen wie im Onlinehandel weiterhin große Präferenz für Originalarbeiten. Authentizität und Werthaltigkeit sind nach wie vor wichtige Entscheidungskriterien für den Ankauf von Kunst. Transparenz wird langfristig eine Grundvorraussetzung für die  Schaffung von Vertrauen.

Die meisten Ankäufe von digitaler Kunst finden konventionell über Galerien statt. Erwirbt ein Sammler beispielsweise eine Website, so verkauft der Galerist ihm eine Domain bzw. ein Unikat und übermittelt zudem einen Linzenzvertrag. Dieser ist materiell. Das „Netzwerk“ bleibt virtuell, doch hält alle Attribute eines Kunstwerkes im Quellcode  offen: die Signatur des Künstlers, den Titel, das Entstehungsjahr, die Technik, Angaben zum Programmier oder Sammler.

Der Sammler kann die Arbeit orts- und zeitlos genießen. Zugleich ist er verantwortlich für ihren Erhalt. Der Erhalt ist ein Garant für die Kontinuität der Zeit.

Netzkunst ist im allgemeinen abhängig von Software, vor allem aber auch von Hardware  (Computer, Festplatten, Interfaces, Sensoren, Monitore, Projektoren etc.). Doch wie lange bleibt  uns noch die Hardware in der interaktiven Kultur? Vorausschauende Sammler kaufen neben dem Vertrag auch eine Reihe an Geräten, die die Werke für die Zukunft wappnen. 

Big Data Zeitalter
Die Lernfähigkeit über neue Herangehensweisen an die schnelllebige Kultur geschieht natürlich und rasant.  Der Kunstmarkt ist ein extrem intransparenter Markt – basierend auf die richtigen Netzwerke und Kontakte. Wird sich daran so schnell etwas ändern? Wie sieht die Freiheit des Handelns im Big-Data-Zeitalter in Zukunft aus? 

Die Kunstgeschichte belegt: Künstler sind ihrer Zeit voraus, sie ahnen das Kommende. Und so braucht man sich nur in der Szene umzusehen, um auf neue Gedanken und technologische Vermarktungsmethoden in der Kunstwelt zu stoßen. 

Die Blockchain
Der deutsche Künstler Stephan Vogler hat es bereist getan und in Zusammenarbeit mit einer deutschen Anwaltskanzlei intelligente Synergien freigesetzt. Er selbst produziert digitale Dateien. Immateriell Güter wie er sie nennt, die natürlich langfristig auch in den Kunstmarkt übergehen sollen. Am besten als Unikat, das man – so die Überlegung in seinem System – via Bitcoin erwerben kann. Viel interessanter als der Bitcoin-Erwerb erscheint jedoch die Bitcoin-Technologie, die dahinter steckt.

Stephan Vogler hat mit Kunstrechtsexperten eine Lizenz entwickelt, die digitale Kunstwerke in technisch und rechtlich limitierte und eigenständig handelbare virtuelle Güter verwandelt. Das System basiert auf einem Lizenzvertrag unter Nutzung der Bitcoin Technologie. Alle Werke werden mit einer elektronischen Signatur versehen, die laut Gesetz auch als originale Unterschrift anerkannt ist und darüber hinaus den Nachweis liefert, dass die Datei zum angegebenen Zeitpunkt vorlag. Ihre Echtheit ist mathematisch belegbar. Das Recht auf Wiederverkauf ist exklusiv. Das virtuelle Eigentum ist für den jeweiligen Eigentümer technisch und gesetzlich limitiert.  Der Eigentümer der Nutzungsrechte wird in einer dezentralen Bitcoin Blockchain registriert. Die Rechte der Arbeit werden durch eine Bitcoin Transaktion zugeteilt. Digitale Kunstwerke werden dadurch zum Sammler- und Handelsobjekt ohne sie zu materialisieren. Kauf und Transaktion finden zeitgleich  statt. Die Funktion des Treuhänders wird eliminiert.

Die Strukturen beim Erwerb sind somit extrem transparent.

Status Quo Blockchain
Künstler wie Stephan Vogler wollen dem Markt für digitale Kunst mit einer neuen Technologie revolutionieren. Unabhängig davon schläft auch die Kunstwelt nicht.

Sammler, Institutionen und Kunstmarktplattformen nehmen bereits Kenntnis davon. 

Österreichs Museum für Moderne Kunst (MAK) hat schon ein Kunstwerk mit Bitcoins gekauft.

Cointemporary.com, eine kuratierte Online-Plattform, bietet ephemere Kunstwerke zu einem festen Bitcoin (BTC) Preis an – unabhängig von dem aktuellen Wechselkurs.

Die Winklevoss-Zwillinge sind bekannt als große Befürworter der digitalen Währung. Gerüchte über Investments für die Kunst kursieren.

Auch die Berliner Firma ascribe.io entwickelt Systeme innerhalb der Blockchain Technologie und offeriert Dienstleistungen für Kunstexperten, um ihre digitale Dateien professionell zu managen, sprich: registrieren, archivieren, Eigentum zu übertragen, etc.

Für Vogler ist die blockchain die erste dezentrale vertrauenswürdige Datenbank, die das Eigentum an virtuellen Objekte in einer zuverlässigen Art und Weise verfolgen kann. Dem ist sicherlich recht zu geben.

Der Erwerb von Kunstwerken via Bitcoin klingt zukunftsorientiert und einfach, ist jedoch mit großer Vorsicht zu genießen. Grund: Bitcoins werden nicht von einem Staat und seiner Zentralbank kontrolliert, sondern von Internetnutzern in komplizierten Rechenoperationen generiert. Was wäre also der Vorteil am Bitcoin-Ankauf?

Fragt man die Sammler des Digitalen, wie den Belgier Alain Servais oder den Schweden Hampus Lindwall, so stehen diese dem Ankauf der risikobehafteten Bitcoin-Währung mit Skepsis gegenüber. 

Es ist noch zu früh um sie Auswirkungen dieser Entwicklungen tatsächlich beurteilen zu können. Und letztendlich geht es bei der gesamten Diskussion auch weniger um das Währungssystem als viel mehr um die Technologie die auch für andere Sachverhalte genutzt werden kann. 

Richtig fruchten werden die Experimente nur durch ein hohes Maß an Sachverstand, den Mut rechtliche Konsequenzen in Kauf zu nehmen und durch einfache Entscheidungen im DESIGN.

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